Geschlechtergerechte Forschung für eine bessere Versorgung
Lange Zeit galt der männliche Körper als medizinischer Standard. Aber gerade in der Medizin gibt es bei Frauen und Männern weitreichende Unterschiede im Hinblick auf Diagnostik, Symptome, Wirkung von Medikamenten und Art und Schwere von Nebenwirkungen, die dringend berücksichtigt werden müssen.
Hinzu kommen psychosoziale Faktoren wie Lebensumstände, Geschlechterrollen oder das Alter, die ebenfalls Einfluss auf die Behandlung haben können. Genau hier setzt die gendergerechte Medizin an: Sie möchte diese Unterschiede besser verstehen und in Bezug auf Forschung, Diagnose und Behandlung berücksichtigen.
Frauen wurden in Studien nicht ausreichend einbezogen
Lange Zeit war das jedoch nicht selbstverständlich. Über Jahrzehnte wurden Frauen in klinischen Studien nur unzureichend berücksichtigt oder sogar ganz ausgeschlossen. Viele zugelassene Medikamente und Therapien wurden deshalb überwiegend mit männlichen Studienteilnehmern entwickelt und geprüft. Die Folgen sind bis heute spürbar: Erkrankungen werden bei manchen Menschen später erkannt, Therapien wirken nicht bei allen gleich gut oder verursachen häufiger Nebenwirkungen.

Ein bekanntes Beispiel ist der Herzinfarkt. Zwar treten die typischen Brustschmerzen sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf. Etwa jede fünfte Frau zeigt jedoch eher unspezifische Beschwerden wie starke Erschöpfung, Übelkeit oder Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Dadurch wird ein Herzinfarkt bei Frauen oft später erkannt, was fatale Folgen haben kann.